Nach einem weltweit volatilen Börsenjahr sind Aktienanleger vorsichtig geworden. Angesichts des unsicheren Konjunkturausblicks ist es unserer Meinung nach wichtig, dass man die Aktienallokation derart strukturiert, dass sie sich unabhängig vom Zyklus gut entwickeln kann.

Die Indikatoren für 2019 senden gemischte Signale aus. Wird die Konjunkturdynamik nachlassen? Welche Auswirkungen wird das Auslaufen der Kaufprogramme der Zentralbanken haben? Oder steigende Zinsen? Wie geht man mit politischen Risiken wie Brexit und den Handelsspannungen um? Wir erwarten keine globale Rezession, aber die Bandbreite der möglichen Ergebnisse ist weit größer, als es normalerweise der Fall ist. Das bedeutet wahrscheinlich, dass mit erhöhter Volatilität zu rechnen ist.

In diesem Umfeld ein Aktienportfolio aufzubauen ist nicht einfach. Herkömmliche defensive Portfolios funktionieren am besten, wenn die Konjunktur abstürzt. Riskantere Aktienportfolios hingegen benötigen wohl höheres Wirtschaftswachstum, um Erträge zu erzielen. Wir denken, dass in der aktuellen Lage der Aufbau eines zyklisch resistenten Portfolios die beste Lösung ist, um Konjunkturschocks zu überstehen, aber auch im Falle positiver Überraschungen zu liefern.

Wachstumssorgen befeuern die Volatilität

Der Konjunkturausblick ist heute sehr ungewiss. Der globale Einkaufsmanagerindex (Purchasing Managers Index, PMI) fiel im Jahr 2018, was auf eine sich entwickelnde Konjunkturabschwächung hindeutet (Abbildung, links). Das globale BIP-Wachstum hat sich verlangsamt. Zugleich steigt das Lohnwachstum in den Industrieländern (Abbildung, rechts). Das verstärkt die Inflationssorgen. Was Wunder, dass in dieser Gemengelage die Volatilität erheblich angestiegen ist. Der MSCI World stieg oder fiel 2018 an 45 Börsentagen um mehr als 1 %, verglichen mit nur drei Tagen im ungewöhnlich ruhigen 2017.

In diesem Umfeld gibt es unseres Erachtens drei Schlüsselelemente für ein konjunkturresistentes Portfolio: defensive Aktien, wenig zyklische Branchentrends und solide Bilanzen.

Rückkehr zu herkömmlichen Defensivaktien

In den letzten Jahren waren wir besorgt, dass einige traditionelle defensive Sektoren den Anlegern keinen optimalen Abwärtsschutz bieten könnten. Vor etwa zwei oder drei Jahren, als die Zinsen auf ein Niveau nahe Null fielen, drängten die Anleger in anleihenähnliche Aktien, um Einkommensquellen zu erschließen. Versorger, Immobilienfonds (REITs) und Verbrauchsgüter wurden sehr teuer, weil viele Anleger in diese traditionellen sicheren Häfen strömten, um sich vor potenzieller Volatilität zu schützen.

Diese Aktien entwickelten sich in der jüngsten Abwärtsbewegung relativ gut. Was hat sich geändert? Am Zinswendepunkt waren diese Aktien sehr riskant, da sie in der Regel stark mit der Zinsentwicklung korrelieren. Einige dieser Bedenken haben sich verringert, nachdem die US-Zinsen von extremen Tiefstständen gestiegen sind und die Bewertungen viel vernünftiger sind.

Seitdem die US-Zinsen Ende 2016 zu steigen begannen, haben sich die Bewertungen von defensiven Aktien verbessert (Abbildung). Beim Aufbau eines defensiven Aktienportfolios ist es immer wichtig, auf Bewertungen zu achten. Dennoch sind die Bewertungen dynamisch, sodass heute attraktiv bewertete Chancen in Aktien und Sektoren zu finden sind, die gestern noch teuer waren.

Konjunkturresistente Anlagethemen finden

Einige Branchen und Unternehmen sind einfach nicht so anfällig für eine nachlassende Konjunktur wie andere. So profitieren beispielsweise Personaldienstleister wie ADP und Paychex von einer wachsenden Tendenz der Unternehmen, Personalverwaltungsfunktionen auszulagern. Dieses Wachstum hat nichts mit dem Zustand einer Volkswirtschaft zu tun, es ist einfach der zunehmenden Komplexität der Unternehmen geschuldet.

Auch im Finanzsektor verzeichnet der Zahlungsverkehr ein stetiges Wachstum, da immer mehr Verbraucher auf der ganzen Welt von Barzahlung auf Karten und andere Zahlungssysteme umsteigen. In den USA machten elektronische Zahlungen und Kartenzahlungen 2018 rund zwei Drittel der Konsumausgaben aus, gegenüber weniger als der Hälfte zehn Jahre zuvor, gemäß BMO Capital Markets. Und weltweit wird prognostiziert, dass das internationale elektronische Zahlungsvolumen in den nächsten drei Jahren um 12 % jährlich wachsen wird, doppelt so schnell wie in den USA, so der Nilson Report.

Einzelhändler werden oft als zyklische Unternehmen angesehen, die anfällig für eine Konjunkturabschwächung sind. Dennoch gibt es auch dort widerstandsfähige Segmente, die sich auch im Abschwung in der Regel gut behaupten. Ein Beispiel dafür ist der Textildiscounter T.J. Maxx, der davon profitiert, wenn mehr Verbraucher versuchen, preiswertere Kleidung zu kaufen.

Professionelle Publikationen sind ein weiterer Nischenmarkt, der sich aus unserer Sicht in einem Abschwung behaupten sollte. Beispiele sind die RELX Group und Wolters Kluwer, Anbieter wichtiger beruflicher Datenbanken, die Anwälte, Ärzte und Professoren für zeitkritische Entscheidungen benötigen – auch wenn sich die Wirtschaft verlangsamt.

Auf die Bilanzen achten

Qualitätsaktien sind immer noch der Kern einer defensiven Aktienstrategie. Um sie zu finden, muss man in schwierigeren Zeiten auf das Gewinnpotenzial achten, insbesondere ob die Bilanzstärke vorhanden ist, um steigende Zinsen zu bewältigen.

Die Unternehmensverschuldung ist heute vielerorts hoch, nicht zuletzt in den USA. Nach einem Jahrzehnt des einfachen Geldes könnten einige Unternehmen anfällig für ein verändertes Umfeld sein. Das Potenzial für höhere Zinsen und engere Credit-Märkte könnte Druck auf jene Unternehmen ausüben, die im vergangenen Jahrzehnt ihre Hebelung erhöht haben. Die genaue Analyse der Bilanzen ist also wichtiger denn je, um sicherzustellen, dass Qualitätsaktien unabhängig von Konjunktur und Zinsen stabil bleiben.

Nicht jedes Niedrig-Beta-Portfolio ist konjunkturell widerstandsfähig. Doch wer sich auf hochqualitative Aktien mit Stabilitätsmerkmalen zu moderaten Bewertungen fokussiert, hat gute Chancen, auch in turbulenten Märkten mit gutem Gewissen investiert bleiben zu können – und von einer darauffolgenden Erholung zu profitieren.

Die hier geäußerten Einschätzungen und Meinungen sind weder Analysen noch Investmentberatung oder Anlageempfehlungen. Sie geben nicht notwendigerweise die Ansichten aller Portfoliomanagementteams von AB wieder und können jederzeit geändert werden.

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