Wir erwarten für den US-Dollar im Jahr 2026 eher Volatilität als eine klare Richtung.
Der frühere Vorsitzende des Federal Open Market Committee, Alan Greenspan, bemerkte einst bekanntlich, dass die Prognose von Wechselkursen einem Münzwurf gleiche. Das vergangene Jahr gab ihm recht. Was ist passiert, und welche Lehren lassen sich daraus für den US-Dollar im Jahr 2026 ziehen?
Wie die meisten Volkswirte gingen auch wir zu Beginn des Jahres 2025 davon aus, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Zölle den US-Dollar stützen würden. Und dennoch verlor der Dollar in den ersten Monaten des vergangenen Jahres rund 10 %. Dann, genau zu dem Zeitpunkt, als sich der Markt auf eine weitere Abschwächung des Dollars eingestellt hatte, stabilisierte sich die Währung und gewann sogar wieder etwas an Boden.
Ein Grund, warum die Prognose von Wechselkursen so komplex ist, liegt darin, dass sowohl strukturelle als auch zyklische Variablen eine Rolle spielen. Strukturelle Variablen entfalten ihre Wirkung in der Regel über sehr lange Zeiträume, während zyklische Variablen schneller wirken. Wir sind der Ansicht, dass es gute strukturelle Gründe für eine Abschwächung des Dollars gibt und dass diese Variablen der Hauptgrund für den Rückgang des Dollars zu Beginn des Jahres 2025 waren. Zyklische Variablen, die jedoch in die entgegengesetzte Richtung wiesen und weiterhin weisen, stützten den Dollar im weiteren Jahresverlauf.
Für 2026 erwarten wir eine ähnliche Entwicklung: Das Wechselspiel zwischen langfristigen und kurzfristigen Kräften lässt uns eher mit Volatilität als mit einer klaren Richtung rechnen. Wir gehen davon aus, dass der Dollar schwanken wird, sind jedoch nicht davon überzeugt, dass er sich dauerhaft in die eine oder andere Richtung bewegen wird.
Gegenläufige Kräfte halten den Dollar in Schach
Aus struktureller Sicht sind zwei zentrale Faktoren zu berücksichtigen. Der erste ist die Bewertung. Der reale effektive Wechselkurs des Dollars, der seine Kaufkraft im Vergleich zu anderen Währungen misst, liegt deutlich über seinem langfristigen Durchschnitt (Abbildung). Dieser Wechselkurs neigt über lange Zeiträume zur Rückkehr zum Mittelwert, was darauf hindeutet, dass wir mit einer Abschwächung des Dollars rechnen sollten.