Diese Trends unterstreichen die Notwendigkeit einer regionalen Diversifizierung – auch mit Blick auf die KI. Während Teile der Schwellenmärkte – insbesondere südkoreanische Aktien – von einer kleinen Gruppe von Halbleiter- und Speicheraktien angetrieben werden, bietet das breitere Umfeld der Schwellenmärkte starke Fundamentaldaten und Chancen jenseits der KI, die weniger mit den US-Märkten korrelieren. Ähnlich verhält es sich in Europa: Wir halten Qualitäts-Wachstumstitel für attraktiv, da sich in Sektoren wie Industrie und Finanzen neue Chancen ergeben.
Substanztitel bieten zudem Zugang zu Branchen, die weniger anfällig für KI-Disruption sind—von der Flugzeugfertigung bis zur Landwirtschaft—und stellen eine Quelle für differenziertes Ertragspotenzial dar. Mehrere Auslöser, darunter Energie, gestiegene Verteidigungsausgaben und KI-getriebene Investitionsausgaben in anlagenintensiven Branchen, haben die jüngste Erholung von Value-Aktien befeuert. Steigende Zinsen könnten einen weiteren Auslöser für Substanzaktien mit Cashflows von kürzerer Duration darstellen.
Auch Nebenwerte verdienen Aufmerksamkeit. Trotz eines schwierigen dritten Quartals haben sich US-Nebenwerte seit Jahresbeginn gut entwickelt, gestützt durch eine breit angelegte Erholung der Gewinne. Wir sind der Auffassung, dass kleinere Unternehmen ebenfalls erheblich von der KI-Einführung profitieren können, während sie eine geringere Korrelation zum dominierenden KI-Investmentthema aufweisen als größere Wachstumswerte. Das ist darauf zurückzuführen, dass Hyperskalierer ihren freien Cashflow für KI-Investitionsausgaben aufwenden, während ausgewählte Nebenwerte gut positioniert sind, um KI-gestützte Produktivität in Barmittel umzuwandeln.
Anleger können auch durch die Portfoliogestaltung eine Diversifizierung erreichen. Wir sind der Ansicht, dass ein Engagement in risikoreicheren KI-Profiteuren durch defensive Aktienportfolios, die zur Abfederung von Volatilität konzipiert sind, oder durch Core-Strategien mit dem Ziel eines geringeren Tracking Error ausgeglichen werden kann. Qualitätsunternehmen spielen eine wichtige Rolle bei beiden Ansätzen.
Steigende Zinsen schärfen den Fokus auf Cashflows
Das höhere Zinsumfeld verschärft die Herausforderung der Diversifizierung. Zum Quartalsende hatte eine Korrektur am Anleihemarkt die durchschnittliche Rendite globaler Staatsanleihen laut Bloomberg auf nahezu 4 % getrieben – den höchsten Stand seit 2007. Mitte September veranlasste die anhaltende Inflation die Federal Reserve dazu, die Leitzinsen um 25 Basispunkte zu erhöhen, während sich andere große Zentralbanken erneut im Straffungsmodus befinden. Die Renditen für US-Staatsanleihen dürften sich so bald nicht entspannen, angesichts der starken Erwartungen für das US-Wachstum und der steigenden Schuldenlast.
Höhere Kapitalkosten haben bedeutende Auswirkungen auf Aktienanleger. Bei steigenden Abzinsungssätzen legen die Märkte verstärktes Augenmerk auf den freien Cashflow, die Bewertung sowie die Beständigkeit künftiger Gewinne. Unternehmen, die stetig Barmittel erwirtschaften, verfügen über eine größere Flexibilität, um zu investieren, Kapital an die Anteilseigner zurückzuführen und Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit zu überstehen. Umgekehrt könnten Unternehmen mit niedrigem freien Cashflow Schwierigkeiten haben, ein langfristiges Gewinnwachstum aufrechtzuerhalten.
Fehlbewertete Qualitätstitel verdienen Aufmerksamkeit
Vor diesem Hintergrund liegt der Schlüssel unserer Ansicht nach darin, Qualitätsunternehmen zu finden, die in der Lage sind, dauerhafte langfristige Erträge oberhalb ihrer Kapitalkosten zu erwirtschaften. Solche Unternehmen finden sich in einer Vielzahl von Branchen, während das Gewinnwachstum breiter gestreut ist, als es Schlagzeilen vermuten lassen. Das spricht überzeugend für übersehene Unternehmen mit beständigen Geschäftsmodellen, starken Bilanzen, wiederkehrenden Einnahmequellen und starken Cashflows.
Das Gesundheitswesen ist ein gutes Beispiel. Der Sektor wies historisch eine relativ geringe Korrelation zum KI-Haupttrend auf, ist jedoch ein klarer Profiteur der KI-Integration. Unserer Ansicht nach umfassen weitere attraktive Cluster mit geringer Korrelation zu KI Energie und Chemie sowie ausgewählte Finanz- und Industrieunternehmen.
Balance finden in einem dynamischen Markt
Das vergangene Quartal hat uns erneut vor Augen geführt, dass Märkte selten so geradlinig verlaufen, wie die vorherrschenden Narrative nahelegen. Wir sind davon überzeugt, dass langfristiger Anlageerfolg heute maßgeblich davon abhängt, attraktiv bewertete Unternehmen zu identifizieren, die von Entwicklungen im Bereich der KI profitieren, während sie gleichzeitig weitgehend von überhitzten und riskanten KI-Positionen entkoppelt bleiben. Die Diversifizierung mag schwieriger zu erreichen sein – doch genau das macht sie wertvoller.