Die Anleihenmärkte könnten 2026 eine stärkere Streuung erleben – verstärkt durch den Ausbau der KI-Infrastruktur.
Die Anleihenmärkte starten 2026 auf einer soliden Grundlage, gestützt durch robuste Unternehmensfundamentaldaten, erhöhte Renditen und relativ niedrige Ausfallraten. Gleichzeitig stehen Anleger angesichts enger Spreads vor Gegenwinden, und wir erwarten eine zunehmende Streuung an den Anleihenmärkten – verstärkt durch den groß angelegten Ausbau der Infrastruktur für künstliche Intelligenz (KI). Unserer Ansicht nach wird es in diesem sich wandelnden Umfeld wichtiger denn je sein, die Gewinner von morgen zu identifizieren, was die Bedeutung der Anleihenauswahl weiter erhöht.
Der KI-Ausbauboom hat begonnen
Das goldene Zeitalter der KI steht zwar noch bevor, doch die Expansionsphase hat bereits begonnen, mit vielfältigen Auswirkungen für Anleger im Bereich festverzinslicher Anlagen. Hyperskalierer – große Anbieter von Cloud-Services und Infrastruktur – befinden sich in einem Wettlauf um die Finanzierung von Trainings-Superclustern und global verteilter Inferenzkapazität. Das Risiko – und der Kapitalverbrauch – sind enorm. Glücklicherweise verfügen diese Technologieriesen über robuste Cashflows und starke Bilanzen, die es ihnen ermöglichen, einen Teil dieser Finanzierung über den Investment-Grade-Anleihemarkt aufzunehmen. Hyperskalierer decken zudem den Bedarf an hochwertigen festverzinslichen Vermögenswerten und tragen dazu bei, Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen.
Während Infrastrukturanbieter ihre Ausgaben für Rechenzentren, Energieinfrastruktur und Netzwerke erhöhen, erwarten wir für 2026 eine deutliche Ausweitung des Angebots im Investment-Grade-Bereich, wenn auch auf einem innerhalb der öffentlichen Märkte gut handhabbaren Niveau. Zu berücksichtigen ist, dass die fünf großen Hyperskalierer – Amazon, Alphabet Inc., Apple, Meta Platforms und Microsoft – nahezu 20% des breiteren Aktienmarktes ausmachen, jedoch lediglich 3,5% des öffentlichen Investment-Grade-Markts. Das ist nicht nur auf die Größe des Investment-Grade-Anleiheuniversums zurückzuführen, sondern auch auf die wachsende Rolle von Private Credit bei der Bereitstellung spezialisierter Finanzierungslösungen, die die öffentlichen Märkte nicht bereitstellen können – oder nicht bereitstellen wollen. Darüber hinaus erfolgen einige KI-nahe Investitionen in Stromerzeugung und Netzanbindung außerhalb des direkten Wirkungsbereichs der Hyperskalierer.
Wir betrachten das Emissionswachstum im Zusammenhang mit KI, insbesondere bei Investitionen in Energieerzeugung und Stromnetze, sowohl als Chance als auch als potenzielle Quelle von Spannungen. Da Privatkredite einen größeren Teil der Finanzierungslast tragen, erwarten wir im kommenden Jahr keine Überschwemmung der öffentlichen Anleihenmärkte mit Neuemissionen. Das dürfte die Belastung für den öffentlichen Investment-Grade-Markt verringern.
Dennoch bestehen weiterhin Risiken in Form von Überkapazitäten, unsicherer Nachfrage und sogenannten Stranded Assets. Glücklicherweise sind diese Risiken dem aufmerksamen Blick des Marktes nicht entgangen. Großkapitalisierte Technologieemittenten haben in den vergangenen Monaten leicht hinter dem breiteren Investment-Grade-Markt zurückgelegen, da Anleger den KI-Ausbau genauer unter die Lupe nehmen. Unserer Ansicht nach handelt es sich dabei nicht um Stress, sondern um den Beginn einer Einpreisung von Unsicherheit, was wir als gesund erachten.
Streuung kann viele Formen annehmen
Wir sehen 2026 als ein Jahr der Divergenz, geprägt von nachlassenden Unternehmensfundamentaldaten und einer höheren Streuung, die durch KI noch verstärkt werden könnte. Das Investment-Grade-Universum, das zunehmend von gut kapitalisierten Hyperskalierern geprägt ist, verzeichnete in den vergangenen Jahren deutlich mehr Hochstufungen als Herabstufungen (Abbildung).