Zielgerichtet allokieren: Aktive Aktienstrategien für sich verändernde Märkte

27. Mai 2026
6 min read

Für Vermögenseigner ist die zentrale Frage, wo und wie aktive Strategien am effektivsten sein können.

Aktienanleger stehen in einem neuen Marktumfeld vor enormen Herausforderungen für ihre Allokationsstrategien. Die Marktkonzentration ist stark gestiegen, die Bewertungen sind in Teilen des Marktes auf Rekordhöhen geklettert und die Faktorvolatilität hat die Erträge dominiert. Diese Dynamik hat viele aktive Strategien, insbesondere bei US-amerikanischen und globalen Standardwerten, vor Herausforderungen gestellt.

Dennoch glauben wir, dass aktives Management dabei helfen kann, genau diese Herausforderungen zu bewältigen. Chancen bestehen weiterhin dort, wo die Streuung hoch ist, Benchmarks weniger konzentriert sind und sich unter der Oberfläche fundamentale Veränderungen vollziehen. Weil jedoch Technologie und KI Informationen zunehmend zugänglich machen glauben wir, dass aktive Strategien ihre Prozesse anpassen müssen, um eine stabile relative Performance zu erzielen.

Der Wandel hin zu passiven Portfolios ist verständlich. Gleichzeitig sind wir der Ansicht, dass vereinfachte Allokationsentscheidungen Risiken bergen. Anstatt also eine binäre Wahl zwischen passiv und aktiv zu treffen, sollten Vermögenseigner unserer Ansicht nach fragen: Wo, wie und unter welchen Bedingungen ist es am wahrscheinlichsten, dass aktive Strategien einen Mehrwert liefern? Sie sollten überdenken, wie sie aktives Aktienrisiko allokieren, ihr Anlageuniversum erweitern und auf beständige, differenzierte Anlageprozesse setzen.

Risiken neu verpacken: Die Folgen der Konzentration

Die Konzentration am Aktienmarkt ist in den 2020er Jahren zu einem prägenden Merkmal für Anleger geworden. In den USA dominiert nun eine kleine Gruppe von KI-getriebenen Mega-Cap-Aktien die Indexgewichtungen, das Gewinnwachstum und die Volatilität. Diese Konzentration hat das Chancenspektrum für aktive Manager sowohl in US-amerikanischen als auch in globalen Portfolios verändert. Fundierte fundamentale Erkenntnisse reichen für Aktienportfolios einfach nicht aus, um Schritt zu halten, wenn die Indexerträge hauptsächlich von einer kleinen Anzahl Aktien getrieben werden, und infolgedessen haben die meisten aktiven Manager von US-Standardwerten schlechter abgeschnitten (Abbildung).

Aktive Manager standen bei US-Aktien vor besonderen Herausforderungen
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Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.
Stand: 31. Dezember 2025
Quelle: Bank of America Research und AllianceBernstein (AB)
AllianceBernstein (AB)

Unterdessen sind traditionelle Ertrags treiber wie Substanz, Qualität und Momentum episodischer und instabiler geworden. Die Faktordominanz hat schneller rotiert, was falsch positionierte Portfolios hart bestraft und es aktiven Strategien erschwert, beständig Überrenditen zu kumulieren.

Passive Portfolios werden oft als Allheilmittel angesehen. Sie sind relativ kostengünstig, transparent und bieten eine Ausrichtung auf hochkonzentrierte Benchmarks, die hohe Gesamterträge erzielt haben.

Doch der Wechsel zu passiven Anlagen ist nicht risikofrei. Er führt typischerweise zu einer geringeren Diversifikation auf Gesamtportfolioebene und einer erhöhten Anfälligkeit für Einzelmarkt- und Einzelthemenrisiken. Mit anderen Worten, der Wechsel zu passiven Anlagen beseitigt das Risiko nicht; er verpackt es nur neu.

Wo belohnen die Märkte noch Selektivität? 

Diese Unterscheidung ist wichtig, da der Gegenwind für aktives Management nicht einheitlich war. Bei Nicht-US-Aktien, Schwellenländern und substanzorientierten Strategien sind die Benchmarks weniger konzentriert und die Ertragsstreuung deutlich höher (Abbildung).

Marktkonzentration variiert stark nach Region und Stil
Das Balkendiagramm zeigt die Gewichtung der 10 größten Aktien in wichtigen US- und globalen Aktien-Benchmarks.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.
Stand: 30. April 2026
Quelle: FTSE Russell, MSCI, S&P und AB

Tatsächlich haben die aktiven Manager im Median und im obersten Quartil in Nicht-US-Märkten und Schwellenländern über Ein-, Drei- und Fünfjahreszeiträume starke relative Erträge gegenüber ihren Benchmarks erzielt (Abbildung). Diese Segmente haben von zwei strukturellen Rückenwinden profitiert. Erstens sind die Gewinnerholungen außerhalb der USA breiter ausgefallen. Zweitens hat die verbesserte Kapitaldisziplin bessere Aktionärserträge in Märkten wie Japan, Südkorea und China gefördert. Das bietet einen fruchtbaren Boden für aktive Manager, um Unternehmen mit attraktiven Fundamentaldaten zu identifizieren und diversifizierende Alpha-Quellen zu erschließen.

Aktive Performance war außerhalb der USA und in den EM viel stärker
Das Balkendiagramm zeigt die relativen Renditen der eVestment-Fondskategorien im Vergleich zu ihren Benchmarks in Basispunkten über Zeiträume von einem, drei und fünf Jahren bis März 2025.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.
EAFE: Europa, Australasien und Fernost
Dargestellte Performance für aktive Strategien in den folgenden eVestment-Kategorien: US Large-Cap-Aktien, Global Large-Cap-Aktien, EAFE-Aktien und Emerging-Markets-Aktien.
Stand: 31. März 2026
Quelle: eVestment und AB

Für Vermögenseigner deutet das darauf hin, dass aktives Risiko am besten selektiv eingesetzt wird, anstatt es gleichmäßig über die Aktienallokationen zu verteilen. Unserer Meinung nach sollten Anleger in Märkten, in denen Kompetenz spürbar mit besseren Portfolioergebnissen belohnt wird, verstärkt auf aktives Management setzen.

Bedeutet das, dass man bei US-amerikanischen und globalen Aktien, die für viele Vermögenseigner zu den Standardallokationen gehören, aktives Management vermeiden sollte? Nicht unbedingt. Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass aktive Anlagestrategien auf US-amerikanischen und globalen Märkten langfristig Ergebnisse erzielen können, und es gibt effektive Wege, um für unterschiedliche Risikoneigungen Zugang zu diesen Märkten zu erhalten. Darüber hinaus kehren Phasen der Fehlerträge oft zum Mittelwert zurück und werden von starken relativen Erträgen abgelöst, wie die jüngste Erholung von Substanz- und Schwellenmärkten zeigt.

Lektionen zur Risikobereitschaft anwenden 

Eine der deutlichsten Lehren der letzten Jahre ist, dass die Art und Weise, wie Risiko eingegangen wird, genauso wichtig ist wie die Höhe des eingegangenen Risikos. In konzentrierten Märkten wurde die Abweichung von einer Benchmark – das Markenzeichen des aktiven Investierens – risikobehaftet. Deshalb wurden Strategien mit hohem Tracking Error nicht durchgängig belohnt, während kontrolliertere Ansätze oft vorhersehbarere Ergebnisse geliefert haben.

Infolgedessen sollten Vermögenseigner aktive Risikobudgets genauer prüfen, indem sie die folgenden Fragen stellen:

  • Was sind mein Zeithorizont und meine Risikotoleranz?
  • Entspricht die Quelle des aktiven Risikos meinen erklärten Ergebniszielen? 
  • Habe ich mein Kapital auf spezifische Ergebnisse und differenzierte Ansätze verteilt?
  • Wie habe ich die Höhe meiner Allokation angepasst, um die Bandbreite der Risiken für die Ergebnisse widerzuspiegeln?

Die Antworten auf diese Fragen können Anlegern helfen, die für ihre Ziele am besten geeigneten Strategien zu finden.

Strategien mit geringerem Tracking Error und klaren Alpha-Zielen können für Resilienz sorgen, insbesondere in konzentrierten Märkten. Derlei Strategien können für Anleger mit kürzeren Anlagehorizonten wertvoll sein, da sie oft stabilere Ergebnisse liefern, wenn Stil- und Faktorerträge schwanken.

Hochaktive Strategien (High Conviation) spielen in der Allokation nach wie vor eine Rolle, insbesondere für Anleger mit höherer Risikotoleranz und längerem Anlagehorizont. Es ist wahr, dass einige Portfolios mit höherem Tracking Error, die auf Style-Investing-Philosophien basieren, in konzentrierten Märkten zu kämpfen hatten. Dennoch sind wir der Ansicht, dass fähige Manager im Laufe der Zeit weiterhin in der Lage sind, Alpha zu erzielen, wie wir bei der jüngsten starken Erholung von Substanz-Aktienstrategien gesehen haben. Allerdings müssen Vermögenseigner sorgfältig abwägen, wie diese Art von Strategien in ihre langfristigen Allokationen passen. Portfoliokonstruktion, Risikomanagement und die Anpassungsfähigkeit einer Strategie werden den zukünftigen aktiven Erfolg in einer veränderten Marktlandschaft neu definieren.

Die Rolle eines industriellen Performance-Systems

Das weist auch auf eine umfassendere Lektion für Vermögenseigentümer hin: In komplexeren Märkten hängt der langfristige Erfolg nicht nur von Überzeugungen oder Stil-Exposures ab, sondern davon, wie konsequent Erkenntnisse in Portfolioentscheidungen umgesetzt werden. Dadurch entsteht ein größer Fokus auf integrierte Anlagesysteme – Prozesse, die Research, Risikomanagement und Portfoliokonstruktion auf disziplinierte, wiederholbare Weise kombinieren.

1. Klar definierte Standards für exzellentes Research
Fundiertes Research erfordert klare Standpunkte und eine explizite Risikodarstellung, die artikulieren sollte, was wichtig ist, warum es wichtig ist und was die These entkräften würde. Und wenn Benchmarks von einer kleinen Anzahl von Aktien dominiert werden, können Untergewichtungen genauso folgenreich sein wie Übergewichtungen. Effektives Risikomanagement muss beides symmetrisch behandeln.

2. Integration von fundamentalen, quantitativen und KI-gestützten Erkenntnissen
Anlageprozesse, die rein fundamental oder rein quantitativ sind, können zu eng gefasst sein. Quantitative Tools können die Risikokontrolle, Signalvalidierung und Portfoliokonstruktion verbessern, während die Fundamentalanalyse Kontext, Urteilsvermögen und Überzeugung liefert. KI schärft beide Dimensionen, indem sie die Research-Effizienz steigert und die analytische Bandbreite erweitert.

3. Kontinuierliche Verbesserung, angetrieben durch Daten- und Entscheidungsanalysen
Märkte entwickeln sich weiter und das müssen auch Anlageprozesse. Die datengesteuerte Bewertung von Entscheidungen, Positionsgrößen und Timing hilft dabei, Können von Rauschen zu unterscheiden, und ermöglicht es Teams, zyklusübergreifend systematisch aus Ergebnissen zu lernen.

Für Vermögenseigner ist die Beurteilung, ob Manager diese Fähigkeiten institutionalisiert haben, genauso wichtig wie die Überprüfung der jüngsten Performance. Robuste Systeme erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die Performance wiederholt und bei sich ändernden Marktbedingungen angepasst werden kann.

Im heutigen Umfeld sollten Vermögenseigner bei der Allokation in aktive Aktien mehrere Leitprinzipien berücksichtigen:

Wie sollten Vermögenseigner angesichts der heutigen Herausforderungen mit Aktien umgehen?
Aufzählungspunkte nennen vier Prinzipien für die Allokation in aktive Aktien unter den heutigen Marktbedingungen.

Quelle: AB.

Aktive Aktien sollten als Portfolioinstrument dienen, nicht als philosophisches Bekenntnis. Ihre Rolle besteht darin, risikobereinigte Ergebnisse zu verbessern, Ertragsquellen zu diversifizieren und unbeabsichtigte Konzentrationen zu mindern, die durch passive Allokationen entstehen.

Die Zukunft aktiver Aktien gehört nicht denjenigen mit der lautesten Überzeugung oder den komplexesten Modellen. Sie gehört Anlagesystemen, die menschliches Urteilsvermögen mit analytischer Disziplin verbinden, sich an sich wandelnde Märkte anpassen und für Kundenergebnisse verantwortlich bleiben. Für Vermögenseigner bedeutet dies, aktive Portfolios gezielter einzusetzen. Durch die Konzentration darauf, wo aktives Management strukturelle Vorteile bietet, das Bestehen auf robusten Prozessen und die Ausrichtung der Allokationen an den heutigen Marktrealitäten werden Vermögenseigner neue Wege entdecken, wie aktive Aktienstrategien die Widerstandsfähigkeit von Portfolios langfristig verbessern können.

Die in diesem Dokument zum Ausdruck gebrachte Meinungen stellen keine Recherchen, Anlageberatungen oder Handelsempfehlungen dar und spiegeln nicht notwendigerweise die Ansichten aller Portfoliomanagementteams bei AB wider. Die Einschätzungen können sich im Laufe der Zeit ändern.

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