Chinesische Aktien: Wandel von Rallye zu Resilienz

03. Februar 2026
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Werden verbesserte Fundamentaldaten und beschleunigtes Gewinnwachstum nach einem starken Jahr für chinesische Aktien den Anlegern weitere Gewinne bescheren?

Im vergangenen Jahr erzielten chinesische Aktien - von Vielen unerwartet- eine starke Performance, gestützt durch sich verbessernde Fundamentaldaten der Unternehmen, steigende Gewinne und politische Reformen. China startet mit soliden Voraussetzungen für weitere Kursgewinne in das Jahr 2026, wenngleich es eines selektiven Ansatzes bedarf, um die nächste Phase der Erholung zu nutzen.

Offshore-China Aktien sowie „A-Aktien“ – Aktien chinesischer Festlandsunternehmen, die an zwei großen Börsen gehandelt werden – verzeichneten nach einer längeren Phase der Fehlerträge zwei aufeinanderfolgende Jahre mit zweistelligen Zuwächsen. Die breit angelegte Erholung erfasste unterschiedliche Bereiche der Wirtschaft. Im kommenden Jahr wird es unserer Ansicht nach in der Diskussion um China primär darum gehen, wie eine Allokation in China optimal gestaltet werden sollte.

Gewinne werden der entscheidende Treiber sein

Langfristig werden Aktienmarkterträge durch Gewinne bestimmt. Das erklärt, warum chinesische Aktien über weite Strecken des vergangenen Jahrzehnts unter Druck standen, als das Gewinnwachstum stagnierte. Ein Teil dieser Schwäche war zyklisch bedingt, doch es spielten auch strukturelle Faktoren eine Rolle. China durchläuft ein in Ostasien bekanntes Wachstumsmuster – exportgetriebene Expansion, steigender Wohlstand, ein Immobilienboom und anschließend eine Korrektur. Korea und Japan haben ähnliche Phasen erlebt. Solche Übergänge sind schmerzhaft, aber weder einzigartig noch dauerhaft.

Chinesische Aktien wurden zudem durch mangelnde Preisdurchsetzung, Deflation und Überkapazitäten belastet – ganz zu schweigen von einem hohen Emissionsvolumen, das das Gewinnwachstum je Aktie verwässerte. Erfreulicherweise für Anleger sind Dividenden und Aktienrückkäufe inzwischen verbreiteter, und die Nettoemission ist ins Negative gedreht. Es ist noch früh, aber die Richtung stimmt. Im Rahmen einer politischen Kurskorrektur hat China der „Involution“ Einhalt geboten – den drastischen Preissenkungen, die zuvor zur Ankurbelung des Verbraucherkonsums und des Wirtschaftswachstums eingesetzt wurden. Die Bekämpfung der Involution ist Teil von Chinas 15. Fünfjahresplan und aus unserer Sicht ein unterschätzter Markttreiber.

Insgesamt haben diese Veränderungen positive Effekte auf die Margen gehabt. Wir gehen davon aus, dass die Eigenkapitalrendite einen Wendepunkt erreicht haben könnte, wobei die Konsensschätzungen für das Gewinnwachstum je Aktie des breiten CSI 300 Index inzwischen über denen des S&P 500 und des MSCI EAFE liegen (Abbildung). Diese optimistischen Erwartungen stützen sich auf eine tatsächliche Erholung der Gewinne und nicht auf bloße Marktstimmung – ein deutlicher Unterschied zu den Vorjahren.

Die Gewinne in China holen gegenüber den Industrieländern auf
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Vergangene und aktuelle Analysen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.
Gewinnschätzungen sind in lokaler Währung angegeben. China A wird durch den CSI 300 Index repräsentiert; China Offshore wird durch den MSCI China repräsentiert.
Stand: 31. Dezember 2025
Quelle: Goldman Sachs und AllianceBernstein (AB)

Hohe private Ersparnisse als möglicher Rückenwind

Zugleich wirken die bislang nicht investierten Ersparnisse in Chinas stark von Privatanlegern geprägtem Aktienmarkt unterstützend. Seit 2021 haben chinesische Haushalte erhebliche Ersparnisse aufgebaut, vor allem aufgrund geringerer Immobilienkäufe. Angesichts niedriger Einlagenzinsen und gedrückter Anleiherenditen erscheinen Aktien als eine der wenigen attraktiven Risikoanlagen. Chinesische Verbraucher haben das erkannt und den MSCI China A Onshore Index im Jahr 2025 um 26,1 % nach oben getrieben.

Gleichwohl steht die Rallye noch am Anfang, und ihr Verlauf dürfte nicht geradlinig sein. Die jüngsten Makrodaten deuten allenfalls auf eine ungleichmäßige konjunkturelle Erholung in China hin. Dennoch erkennen wir erste Anzeichen einer Stabilisierung durch eine Erholung der Exporte, industrielle Modernisierungen und reisebezogene Bereiche wie Hotels und Glücksspiel in Macau. 

Ausländische Positionierung ist gering und Bewertungen sind attraktiv

Trotz der Erholung chinesischer Aktien verfügen viele globale Anleger nur über geringe China-Allokationen. Da die Fed voraussichtlich die Zinsen senken wird und der US-Dollar unter Druck steht, suchen globale Anleger nach Alternativen zu auf Dollar lautenden Risikoanlagen. Europa und Japan haben einen Teil dieser Umschichtungen aufgenommen, doch China bleibt untergewichtet (Abbildung). Sollten mehr globale Anleger ihre Allokationen in Richtung China erhöhen, könnte dies ein langfristiger Katalysator für den Aktienmarkt sein.

Die Positionierung in chinesischen Aktien bleibt trotz Erholung gering
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Historische Analysen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.
* Umfasst globale Schwellenmärkte-, Asien ex Japan-, globale sowie globale ex USA-Fonds mit einem gesamten verwalteten Vermögen von 1,3 Billionen US-Dollar.
Stand: 30. November 2025
Quelle: EPFR, Goldman Sachs und AB

Die geringe Allokation in China spiegelt sich auch in den Bewertungen wider, wobei A-Aktien selbst nach der Rallye im vergangenen Jahr besonders günstig erscheinen. Zum Jahresende 2025 wurde der CSI 300 Index für chinesische Onshore-Aktien mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,9 gehandelt. Das liegt zwar über dem historischen Durchschnitt, bleibt jedoch unter früheren Höchstständen und bedeutet einen deutlichen Bewertungsabschlag gegenüber dem S&P 500 und dem MSCI EAFE. Damit besteht Spielraum für eine Ausweitung der Bewertungsmultiplikatoren, sofern sich die Visibilität der Gewinne verbessert – insbesondere vor dem Hintergrund eines schwachen US-Dollars, der Schwellenländeranlagen unterstützen kann (Abbildung).

Eine Schwäche des US-Dollars ist ein potenzieller Katalysator für chinesische Aktien
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Historische Analysen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.
Die rechte Abbildung basiert auf wöchentlichen relativen Erträgen zwischen dem CSI 300 und dem S&P 500 auf USD-Basis.
Schwellenmärkte werden durch den MSCI Emerging Markets Index repräsentiert; Industrieländer durch den MSCI World Index.
Stand: 31. Dezember 2025
Quelle: Bloomberg, MSCI und AB

Ineffizienzen schaffen Risiken – und Chancen

Die Märkte haben sich weitgehend an Chinas neues Ausgangsniveau angepasst und reagieren vergleichsweise gelassen auf Schlagzeilen. Dennoch bleibt Volatilität ein Bestandteil von Investitionen in China, angesichts fortlaufender politischer Anpassungen und globaler Handelsdynamiken. Zudem gilt China weiterhin als relativ ineffizienter Markt. Gerade diese Ineffizienz in Verbindung mit raschem strukturellem Wandel schafft jedoch Chancen für Unternehmen in unterschiedlichen Branchen. Selbst wenn makroökonomische Narrative die Marktstimmung dominieren, können aktive Manager attraktives Alpha generieren, indem sie fehlbewertete Unternehmen mit solidem Gewinnpotenzial und attraktiven Bewertungen identifizieren.

Nach mehr als einem Jahrzehnt der Stagnation scheint sich der chinesische Aktienmarkt wieder im Aufwind zu befinden. China stellt eine tiefe, liquide und gut investierbare Alternative für Anleger dar, die ihre bestehenden globalen Allokationen erweitern möchten. Die Marktstimmung dürfte jedoch auf absehbare Zeit schwankungsanfällig bleiben, weshalb eine sorgfältig, fundamental getriebene Titelauswahl entscheidend für den Anlageerfolg in diesem sich wandelnden Markt ist.

Die in diesem Dokument zum Ausdruck gebrachte Meinungen stellen keine Recherchen, Anlageberatungen oder Handelsempfehlungen dar und spiegeln nicht notwendigerweise die Ansichten aller Portfoliomanagementteams bei AB wider. Die Einschätzungen können sich im Laufe der Zeit ändern.

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