Warum die aktuelle erhöhte Streuung zu einem systematischen Ansatz passt

27. März 2026
4 min read

Wenn die Anleihenmärkte eine große Streuung der Spreads aufweisen, sollten Sie einen systematischen Ansatz zur Alphaerzielung in Betracht ziehen.

Die heutigen Anleihenmärkte wirken träge, doch das Bild trügt: zwar sind die durchschnittlichen Spreads eng, die Streuung zwischen den Emittenten jedoch ungewöhnlich groß. Diese Kombination verändert die Ertragsquellen Die Lektion für Anleger? Passen Sie sich an die vorherrschenden Marktbedingungen an: Wenn das Beta knapp wird, ist es an der Zeit, sich auf das Alpha aus der Titelselektion zu konzentrieren. In diesem Umfeld können systematische Ansätze ihre Stärken am besten ausspielen.

Anleihenmärkte deuten auf eine Verschiebung der Ertragstreiber hin

Derzeit sehen wir, dass sich die Bandbreite der wahrscheinlichen wirtschaftlichen Ergebnisse weltweit verengt und die Renditeaufschläge (Spreads) eng bleiben. Obwohl das Umfeld für die Anleihenmärkte nach wie vor ermutigend aussieht, ist unserer Meinung nach jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, um mit großen Wetten Alpha zu erzielen.

Gleichzeitig führen mehrere Faktoren zu einer größeren Streuung der Spreads und machen die Auswahl einzelner Papiere wichtiger – insbesondere in Sektoren, die von der Wettbewerbsverdrängung durch KI, Cash-Burn oder Ressourcenbedarf betroffen sind. Deshalb gehen wir davon aus, dass die Streuung der Emittentenerträge in allen Sektoren wahrscheinlich zunehmen wird, was eine günstige Gelegenheit zur Alphaerzielung urch Titelselektion schafft.

Wir sind der Meinung, dass diese Chancen am besten durch eine Anlagestrategie genutzt werden können, die sich auf die fundamentale Wertpapierauswahl konzentriert – wie z. B. Systematische Anleihenstrategien. Da ein systematischer Ansatz auf unterschiedlichen Performance-Treibern beruht, generiert er in der Regel Ertragsströme, die traditionelle Anleihenstrategien ergänzen, was ihn zu einem guten Diversifikator für Anleiheportfolios macht. Aber in einem Markt, der von der Wertpapierauswahl geprägt ist, können systematische Strategien ihre Stärken voll ausspielen.

Genauer hinsehen, um verborgene Chancen zu entdecken

Auf der Beta-Ebene sind die durchschnittlichen Spreads wichtig, um festzustellen, wie gut die Risiken am Anleihemarkt kompensiert werden. Aber in Bezug auf das potenzielle Alpha aus der Wertpapierauswahl ist der Spread allein nicht aussagekräftig.

Mitte 2014 beispielsweise waren die Spreads für US-Hochzinsanleihen eng um ihren Mittelwert gruppiert; heute hingegen sind die Emittentenspreads weit gestreut – obwohl die durchschnittlichen Spreads in beiden Zeiträumen ähnlich waren (Abbildung).

Der durchschnittliche Spread allein gibt nur ein Teil des Bildes wieder
Bloomberg US High Yield Index: Spreads (Basispunkte)
Vergleicht man US-Hochzinsanleihen im Jahr 2014 mit 2026, so waren die durchschnittlichen Spreads vergleichbar, aber die Minimum-Maximum-Spanne war 2026 weitaus größer.

Nur zur Veranschaulichung
Maximum, Minimum und Durchschnitt spiegeln alle optionsadjustierten Spreads (OAS) im Index an den angegebenen Daten wider, bereinigt um 2,5 % an jedem Ende der Verteilung. Die Streuung wird als Standardabweichung des OAS geteilt durch den durchschnittlichen OAS gemessen.
Stand: 31. Januar 2026
Quelle: Bloomberg und AB

Wir können das gesamte Bild der Streuung mit einer einzigen Zahl erfassen, die durch die Division der Standardabweichung des Spreads eines Index durch seinen durchschnittlichen Spread gemessen wird. Im Jahr 2014 war die Streuung der Spreads für den Bloomberg US High Yield Index mit nur 0,75 gering, was zu einer mageren Ausbeute für aktive Wertpapierselektoren führte. Heute liegt die entsprechende Zahl bei 3,29, mehr als das Vierfache des Niveaus von 2014 und reif für eine aktive Titelauswahl.

Wenn wir diese Analyse auf die letzten zwölf Jahre ausdehnen, wird die heutige Anlageherausforderung – und -chance – deutlich: Die durchschnittlichen Hochzinsspreads liegen nahe den Tiefstständen des Zeitraums, obwohl die Streuung zu den größten Niveaus gehört, die außerhalb von Krisenzeiten beobachtet wurden (Abbildung). 

Die durchschnittlichen Spreads sind eng, aber die Streuung ist heute historisch hoch
Bloomberg US High Yield Index: Monatlicher Durchschnittsspread und Streuung
Derzeit liegen die durchschnittlichen Spreads nahe den historischen Tiefstständen, aber die Streuung ist ungewöhnlich hoch (außerhalb von Krisenperioden).

Vergangene und aktuelle Analysen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.
Die Spreads sind optionsadjustiert. Die Streuung wird als Standardabweichung des OAS des Index geteilt durch seinen durchschnittlichen OAS gemessen.
Stand: 31. Januar 2026
Quelle: Bloomberg und AB

Und obwohl die Streuung der Spreads von Investment-Grade-Anleihen weniger ausgeprägt ist, erwarten wir, dass sie sich in diesem Jahr ebenfalls ausweiten wird, insbesondere bei BBB-Anleihen, was auf eine Abschwächung der Fundamentaldaten zurückzuführen ist, die durch KI verstärkt wird.

Wie sich die Spread-Streuung in Alpha umwandeln lässt

Enge durchschnittliche Spreads deuten darauf hin, dass das Unternehmensanleihen-Beta heutzutage relativ schwer zu bekommen sein könnte. Unsere Analyse der anfänglichen durchschnittlichen Spread-Niveaus und der durchschnittlichen Zusatzerträge gegenüber Staatsanleihen im darauffolgenden Jahr zeigt, dass die diese nach Perioden mit engen Spreads zurückgingen (Abbildung).

Unternehmensanleihen-Beta: Der durchschnittliche Spread ist ein Indikator für den durchschnittlichen Zusatzertrag
Bloomberg US High Yield Index: Gleitender 12-Monats-Durchschnittsspread und zukünftiger Zusatzertrag
Von 2012 bis heute im Jahr 2026 gingen höhere gleitende 12-Monats-Durchschnittsspreads höheren Zusatzerträgen voraus.

Vergangene und aktuelle Analysen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.
Die Spreads sind optionsadjustiert. Der Zusatzertrag ist der gleitende 12-Monats-Durchschnitt der Zusatzerträge jeder einzelnen Anleihe im Index gegenüber der durationsgleichen Staatsanleihe.
Stand: 31. Januar 2026
Quelle: Bloomberg und AB

In ähnlicher Weise zeigt die Vergangenheit, dass bei engen Spreads Alpha einen größeren Anteil am Ertrag traditioneller aktiver Manager ausmacht (Abbildung).

Manager erzielen bei engen Spreads einen größeren Anteil des Ertrags aus Alpha
Anteil an der Rendite der eVestment High-Yield-Manager (in Prozent): 31. Dezember 2011–31. Dezember 2024
Von 2011 bis 2024, als die Spreads eng waren, stammte ein größerer Anteil der Erträge von US-Hochzins-Managern aus Alpha statt aus Beta.

Historische Analysen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.
Die Spreads sind optionsadjustierte Spreads des Bloomberg US High Yield Index; der Durchschnitt liegt bei 428 Bp, das untere Quartil unter 338 Bp und das obere Quartil über 492 Bp. Manager-Universum: eVestment US High Yield
Stand: 31. Dezember 2024
Quelle: eVestment und AB

Die Wahl des richtigen Werkzeugs für die Aufgabe

Angesichts der heutigen engen Spreads glauben wir, dass wir in eine fruchtbarere Periode für die aktive Titelselektion eintreten könnten. Die Konzentration auf die Titelauswahl erfordert einen hochspezialisierten Ansatz, wie zum Beispiel systematisches Investieren.

Systematische Strategien nutzen prädiktive Faktoren mit nachweisbaren Verbindungen zur Outperformance, um Anlageentscheidungen zu generieren. Ein quantitativer Prozess bewertet und ordnet jede Anleihe auf dem Markt basierend auf ihrer Übereinstimmung mit diesen prädiktiven Faktoren und versucht, durch die Auswahl von Anleihen mit hoher Bewertung Alpha zu generieren. Das Wesen systematischer Strategien besteht daher darin, Alpha aus der Titelauswahl zu generieren.

Diese Methodik steht im Gegensatz zu traditionellen aktiven Ansätzen, die typischerweise größere Wetten bevorzugen, die auf weniger Variablen verteilt sind, wie z. B. Durations-Timing, Bonitäts-Exponierung und Sektor-Gewichtungen (Abbildung). Und unserer Analyse zufolge könnte in einem Umfeld wie dem aktuellen eine Anhäufung winziger Wetten – wie sie bei systematischen Ansätzen auf Hunderte von Wertpapieren angewendet werden – erfolgreicher sein als eine einzige große Wette.

Systematische Anleihenstrategien unterscheiden sich von anderen Lösungen
Systematische Strategien priorisieren die Titelauswahl, während die meisten traditionellen aktiven Strategien Beta priorisieren
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Nur zur Veranschaulichung
Stand: 31. Dezember 2025
Quelle: AB.

Komplementäre Ertragsströme in einem Markt für Titelselektierer

Da systematische Ansätze von anderen Performncestreibern abhängen, werden sich ihre Erträge zudem wahrscheinlich von denen traditioneller aktiver Strategien unterscheiden – und diese ergänzen.

Die aktiven Erträge aus der Titelauswahl in systematischen Strategien sind konzeptbedingt weitgehend unkorreliert sowohl mit der Benchmark als auch mit wichtigen Risikoprämien. Infolgedessen können diese Strategien effektive Diversifikatoren in einem Anleihenportfolio sein.

Wir erwarten, dass fortschrittliche systematische Strategien in verschiedenen Marktumfeldern starke relative Erträge liefern, die zudem traditionelle aktive Strategien ergänzen. Wir erwarten jedoch, dass diese Strategien am stärksten glänzen, wenn das Beta knapp ist und das potenzielle Alpha aus der Titelauswahl hoch ist.

Die in diesem Dokument zum Ausdruck gebrachte Meinungen stellen keine Recherchen, Anlageberatungen oder Handelsempfehlungen dar und spiegeln nicht notwendigerweise die Ansichten aller Portfoliomanagementteams bei AB wider. Die Einschätzungen können sich im Laufe der Zeit ändern.


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