Schwellenländeraktien schalten einen Gang höher

27. Februar 2026
4 min read

Gewinnwachstum könnte weiterhin Schwellenländeraktien beflügeln.

Nachdem sich die Aktien der Schwellenländer (EM) in den letzten zehn Jahren weitgehend unterdurchschnittlich entwickelt hatten, erholten sie sich 2025 gut. Ist es zu spät, um zu investieren? Das glauben wir nicht. Da die Bewertungen immer noch attraktiv sind und die Gewinnwachstumsprognosen nach oben zeigen, könnte dies der richtige Zeitpunkt sein, um die Schwellenländer genauer zu betrachten.

Das Gewinnwachstum könnte 2026 ein wichtiger Auslöser sein. Als Schwellenländeraktien letztes Jahr um fast 33 % zulegten, war die Bewertungsexpansion für fast die Hälfte des Anstiegs verantwortlich.

Das hat sich inzwischen geändert. Die jüngsten Zuwächse wurden vor allem durch Gewinnsteigerungen angetrieben – ein Trend, den sich fortsetzen dürfte. Die EM-Gewinne werden laut Konsensschätzungen 2026 voraussichtlich um 18 % wachsen und sowohl die USA als auch andere Industrieländer (DM) übertreffen (Abbildung). Unserer Ansicht nach deutet das auf eine nachhaltigere Grundlage für die zukünftige Wertentwicklung hin als eine Bewertungsausweitung.

Starke Gewinne könnten die Schwellenländer-Erträge stützen
Konsens Gewinnwachstum je Aktie 2026 (Prozent)
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Vergangene und aktuelle Analysen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.
Das Gewinnwachstum wird auf der Grundlage der Veränderung der Marktkapitalisierungs- bzw. Kurs-Gewinn-Verhältnisses im Vergleich zum Vorjahr berechnet.
EM Asien, repräsentiert durch den MSCI EM Asia; EM, repräsentiert durch den MSCI Emerging Markets; USA, repräsentiert durch den S&P 500; Industrieländer, repräsentiert durch den MSCI World; Europa, repräsentiert durch den MSCI Europe; Japan, repräsentiert durch den MSCI Japan.
Stand: 9. Januar 2026
Quelle: Bloomberg, FactSet, MSCI und AllianceBernstein (AB)

Attraktive Bewertungen spiegeln Unterallokation wider

Trotz der Gewinne des letzten Jahres werden Schwellenländeraktien immer noch mit einem beträchtlichen Abschlag gegenüber ihren Industrieländer-Pendants gehandelt. Beispielsweise liegen die Bewertungen in Brasilien um mehr als 35 % niedriger als im MSCI EM. Das Land scheint sich in seinem geldpolitischen Zyklus an einem wichtigen Wendepunkt zu befinden. Die Zinsen dürften von den hohen Niveaus zurückgehen. In Brasilien und den übrigen Schwellenländern hält die Unterallokation durch globale Fonds die Bewertungen in Schach (Abbildung). Das deutet darauf hin, dass das erneute Interesse an den Schwellenländern nicht zu einer erheblichen Allokation geführt hat.

Schwellenländeraktien wurden traditionell unterbewertet
Schwellenländeraktien als Anteil an verwalteten globalen Vermögenswerten (Prozent)
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Vergangene und aktuelle Analysen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.
Stand: 30. November 2025
Quelle: Emerging Portfolio Fund Research Global, JPMorgan Chase, MSCI und AB

Wir verstehen das Zögern. 

Schwellenländer sind nicht risikolos und haben ihre Versprechen nicht immer erfüllt. Dennoch könnte die Verbesserung der Fundamentaldaten und des Gewinnwachstums der Unternehmen Anzeichen dafür sein, dass dies nicht nur eine weitere kurze, zyklische Erholung ist – insbesondere angesichts der strukturellen Trends, die neue Chancen schaffen. 

Schwellenländer bieten eine Hintertür zu KI 

KI ist ein großartiges Beispiel für ein unterstützendes Thema, das Anleger möglicherweise nicht mit Schwellenländeraktien in Verbindung bringen. In KI zu investieren kann manchmal das Gefühl erzeugen, den teuersten Teilen des US-Marktes hinterherzujagen. Aber unserer Ansicht nach könnten einige der langlebigeren Gewinnströme von der Bereitstellung der Infrastruktur herrühren, die KI ermöglicht. Hier rechnen wir mit einer einzigartigen Chance für die Schwellenländer.

EM-Unternehmen bieten viele der kritischen Bausteine für die KI-Infrastruktur, darunter alles von Halbleiterfabriken und Speichern mit hoher Bandbreite bis hin zu Energie- und Wärmemanagementsystemen für Rechenzentren. Diese „KI durch die Hintertür“-Unternehmen neigen dazu, weniger spekulativ zu sein und eher auf langen Investitionszyklen zu basieren. Viele dieser Unternehmen weisen auch hohe Eintrittsbarrieren auf.

Unabhängig von der Größe werden viele KI-Lieferanten mit Betrieben in den Schwellenländern zu einem Abschlag gegenüber ihren US-Pendants gehandelt. Im Gegensatz zu den Hyperskalierern, die einen Ausgabenschub durchlaufen haben, sind die EM-Technologieunternehmen weniger kapitalintensiv als ihre Industrieländer-Pendants (Abbildung).

EM-Tech-Unternehmen bieten potenzielle Vorteile bei geringerer Kapitalintensität
Capex als Prozentsatz des Umsatzes (Prozent)
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Historische und aktuelle Analysen garantieren keine zukünftigen Ergebnisse.
Linke Abbildung per 7. Januar 2026; rechte Abbildung per 30. September 2025.
Quelle: Bloomberg, Unternehmensberichte und AB

KI-Ertüchtiger haben wichtige Auswirkungen auf die Marktvolatilität. In jüngster Zeit haben Bedenken über Softwareunterbrechungen, Monetarisierung der eskalierenden Investitionsintensität und eine mögliche KI-Blase die Flaggschiff-KI-Megacaps der USA in die Bredouille gebracht Hingegen wurden Hardware- und Komponentenlieferanten in den Schwellenländern weitgehend verschont. 

Governance-Reform: Gewinne in Shareholder Value ummünzen

Aber selbst die stärksten Unternehmen brauchen stabile Rahmenbedingungen, um tätig zu sein. Glücklicherweise erfährt die Unternehmensführung (Governance) in den Schwellenländern eine stille Revolution mit tiefgreifenden Auswirkungen für Anleger. Ein Beispiel hierfür ist die südkoreanische „Value-up“-Initiative, die gerade ihr zweites Jubiläum markiert hat. Während sich die Transformation der Unternehmensführung in Japan über ein Jahrzehnt entfaltete, befindet sich Südkorea noch am Anfang seiner Reise, was erhebliche Verbesserungsmöglichkeiten und eine Verengung des langjährigen „koreanischen Abschlags“ nach sich zieht.

Die südkoreanischen Finanztitel stehen an der Spitze der Corporate-Governance-Reformen, während die Konglomerate des Landes, darunter weltweit führende Franchise-Unternehmen in den Bereichen Speicher, Autos und Verteidigung, gerade erst ihren Value-up-Prozess beginnen. Auch in anderen Regionen sind Anstrengungen zur Verbesserung des Shareholder Value zu verzeichnen. China hat staatliche Unternehmen ermutigt, Bewertungen und Aktionärserträge zu priorisieren, was auf eine Verschiebung hin zu marktfreundlicheren Praktiken hindeutet. Im Rahmen dieser Initiative haben rekordhohe Rückkäufe und Dividenden die Aktionärserträge getrieben. 

Globale Polarisierungschafft neue Chancen

Den Schwellenländer sind geopolitische Risiken nicht fremd. Handelsspannungen, politische Unsicherheit und Währungsvolatilität können das Anlegervertrauen belasten. Aber die Polarisierung verändert die globalen Lieferketten auf eine Weise, die neue Chancen für Schwellenländerunternehmen schafft. Viele Länder leiten die Handelsströme um, diversifizieren die Produktion und bauen neue Verbindungen auf – was eine Welt widerspiegelt, in der Wachstumstreiber zunehmend weniger synchronisiert sind.

Energie ist ein gutes Beispiel. Der Anstieg der globalen Nachfrage nach verflüssigtem Erdgas (LNG) führt zu einer höheren Nachfrage nach LNG-Transport, einer der technisch anspruchsvollsten Kategorien im Schiffbau. Historisch haben chinesische und koreanische Werften diesen Bereich dominiert, aber sich verändernde Handelsbeziehungen verändern die Marktanteilsmuster. Da sich die Spannungen zwischen den USA und China verschärft haben, sind viele westliche Unternehmen vorsichtiger geworden, wenn es darum geht, Aufträge bei chinesischen Werften zu erteilen, die an sensiblen Energierouten beteiligt sind. Koreanische Schiffbauer mit einer langen Erfolgsbilanz von starken Sicherheitsreferenzen und etablierten Beziehungen haben diese Verschiebung eindeutig genutzt – ein Beispiel dafür, wie Handelsspannungen neue Chancen schaffen können.

Da die Entwicklungsländer so ein riesiger Bereich sind, glauben wir, dass sie am besten durch ein qualifiziertes aktives Management angegangen werden. Aktive Fundamentalanleger können eine Vielzahl attraktiver Anlagechancen zu attraktiven Bewertungen nutzen. Die Schwellenländer haben schon oft Turbulenzen in alle Richtungen erlebt, aber wir sehen einen deutlichen Unterschied zwischen vergangenen , zyklischen Erholungen und dem, was sich jetzt abzeichnet – eine zunehmend gewinnbasierte Erholung, die viel Potenzial aufweisen könnte. 

In diesem Dokument zum Ausdruck gebrachte Meinungen stellen keine Analysen, Anlageberatungen oder Handelsempfehlungen dar, spiegeln nicht unbedingt die Ansichten aller Portfoliomanagementteams bei AB wider und können von Zeit zu Zeit überarbeitet werden. 

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