Ändert sich diese Dynamik? Bis Mitte März war die Marktkapitalisierung der acht größten Aktien auf knapp 38 % zurückgegangen – im historischen Vergleich immer noch hoch, aber eine bedeutende Verschiebung in eine ausgewogenere Richtung. Während ähnliche Rotationen in den letzten Jahren schnell wieder abflauten, glauben wir, dass neue Umstände diesmal für einen beständiger breiteren Markt sorgen könnten.
KI-Ausbau verändert die Strukturen von Technologieunternehmen
Der fortschreitende Ausbau der KI verändert langsam, was es bedeutet, ein Technologieunternehmen zu sein. Hyperskalierer – große Anbieter von Cloud-Diensten und Technologieinfrastruktur – geben enorme Geldsummen für den Aufbau von KI-Infrastruktur wie Rechenzentren, Stromnetze und Computerressourcen aus. Diese riesigen Unternehmen haben für einen Teil ihres Kapitalbedarfs die öffentlichen Anleihemärkte und private Kredite angezapft, aber viele finanzieren den Ausbau auch aus ihren eigenen Barreserven. Das senkt den freien Cashflow von Technologieunternehmen und verwandelt sie von traditionell „asset-Light“-Unternehmen in Firmen mit bedeutenden Vermögenswerten in ihren Bilanzen. Und trotz der hohen Investitionen gibt es keine Garantie, dass sich diese KI-Vermögenswerte auszahlen werden – insbesondere angesichts der optimistischen Annahmen über die Einführung von KI.
Sicherlich haben einige der Megacaps robuste Geschäftsmodelle und Gewinnaussichten. Die enormen Kapitalmengen, die in die KI fließen, könnten jedoch auch zu mehr Wettbewerb in den Kerngeschäften der Technologieunternehmen führen.
Und es sind nicht nur die Megacaps gefährdet.
Die Verbreitung von KI droht Softwareunternehmen und andere digitale Unternehmen jeder Größe zu gefährden. Die Anlegerbedenken spiegeln sich in sprunghaften Marktreaktionen auf selbst geringfügige Korrekturen der Gewinnprognosen wider – ein tiefgreifender Wandel für eine Branche, die sich weitgehend einer positiven Anlegerstimmung erfreut hat.
Rückkehr der Dinosaurier?
Während Tech-Aktien zu kämpfen haben, zeigen Anleger eine neue Wertschätzung für Unternehmen mit hoher Free-Cash-Conversion und größerer Widerstandsfähigkeit gegenüber dem volatilen KI-Thema. Obwohl viele über starke Geschäftsmodelle und wiederkehrende Einnahmequellen verfügen, waren ihre Bewertungen jahrelang im Dornröschenschlaf, weil sie nicht so schnell gewachsen sind wie die großen Technologieunternehmen, die die Schlagzeilen dominiert haben.
Vielleicht stehen wir an der Schwelle zu einer „Rache der Dinosaurier“-Phase, wie ein Analyst von Goldman Sachs kürzlich in einer Research-Note treffend bemerkte.
In solch einem neuen Umfeld könnte das Umsatzwachstum letztendlich weniger wichtig werden als Wettbewerbsvorteile. Typischerweise implizieren Wettbewerbsvorteile Eintrittsbarrieren. Aber zunehmend könnten Wettbewerbsvorteile auch Barrieren gegen KI-bedingte Störungen darstellen – einschließlich Bedrohungen für Kerngeschäftsmodelle. Im Laufe der Zeit könnte diese Isolationsschicht dauerhafte Wettbewerbsvorteile bieten. Durch die Erwirtschaftung eines hohen freien Cashflows und eines bescheidenen, aber nachhaltigen Wachstums könnten Unternehmen der alten Garde eine fortgesetzte Neuberwertung erleben, wenn ihre Wettbewerbsvorteile Bestand haben. Diejenigen mit etablierten Marken und massiver globaler Reichweite könnten sogar noch dauerhaftere Vorteile erzielen.
KI kann auch Unternehmen der Old Economy zum Erfolg verhelfen. Einige könnten sogar ihre Wettbewerbsvorteile durch Produktivitätssteigerungen mittels KI und neue Einnahmen aus dem KI-Ausbau selbst stärken. Denken Sie an Industrie, Energie, Rohstoffe und Finanzen. Unserer Ansicht nach könnte der Investitionsboom ein Segen für bisher unbeliebte Unternehmen in diesen Sektoren sein.
Bewertungen der Old Economy bleiben überzeugend
Nach Jahren niedriger Bewertungenen könnte sich die große Dispersion am Aktienmarkt allmählich verringern. In jüngster Zeit haben ausgewählte Titel in den Sektoren Basiskonsumgüter, Rohstoffe und Energie eine neue Dynamik erfahren (Abbildung), obwohl die Bewertungen der Old Economy größtenteils attraktiv bleiben. Darüber hinaus haben sich diese Unternehmen in der Vergangenheit bei schwächeren wirtschaftlichen Bedingungen gut entwickelt, was sie widerstandsfähiger machen könnte, wenn geopolitische Umwälzungen einen Anstieg der Ölpreise auslösen und die Weltwirtschaft zu erschüttern drohen.