Ein weiterer Vorteil der Faktorattribution besteht darin, dass sie zu unerwarteten und sogar kontraintuitiven Beobachtungen führen kann. Wir haben beispielsweise festgestellt, dass Unternehmen mit hoher ESG-Offenlegung im Allgemeinen besser abschnitten als Unternehmen mit geringer oder keiner Offenlegung, unabhängig davon, ob ihre ESG-Praktiken gut, schlecht oder indifferent waren. Bei ESG-Kennzahlen, bei denen es keine signifikante Unter- oder Überperformance im Vergleich zum Markt gab – Amtszeit des CFO und getrennte Rollen für CEO und Aufsichtsratsvorsitzenden –, schnitten Unternehmen, die Daten offenlegten, im Durchschnitt besser ab als Unternehmen, die keine Daten offenlegten.
Fundamentalanalysen verbessern die Erkenntnisse aus der Faktorattribution
Unserer Ansicht nach reicht die Faktorattribution allein jedoch nicht aus, sondern sollte durch Fundamentalanalysen ergänzt werden.
Das Verständnis der Auswirkungen von ESG-Faktoren auf die Performance ist im Rahmen einer umfassenderen Untersuchung der Unternehmensführung von großem Wert. So kann die Fundamentalanalyse beispielsweise zeigen, dass eine hohe TRIR sich direkt auf die Produktivität auswirkt, indem Arbeitsstunden verloren gehen, und indirekt, indem eine Kultur entsteht, in der die Mitarbeiter unmotiviert sind, weil sie sich nicht sicher fühlen. Darüber hinaus funktioniert die Faktorattribution am besten mit langen Datenreihen, die nicht immer verfügbar sind, was die Bedeutung der Fundamentalanalyse unterstreicht.
Eine weitere Möglichkeit, wie Fundamentalanalysen helfen können, besteht darin, ESG-Faktoren für einen bestimmten Sektor angemessen zu messen, anstatt den generischen Ansatz zu verfolgen, der typischerweise von vielen ESG-Datenbanken von Drittanbietern verwendet wird. Dies könnte beispielsweise bedeuten, dass die CO2-Emissionen für Automobilhersteller in Litern Bezin pro 100 Kilometer, für Fluggesellschaften in Passagiermeilen und für Baustoffunternehmen in Tonnen produzierten Zements gemessen werden.
Außerdem können so die Nuancen herausgearbeitet werden, die vielen ESG-Faktoren zugrunde liegen. Im Falle des Bergbausektors kann sich die Fundamentalanalyse beispielsweise auf das Risiko von Absetzbecken innerhalb der weiter gefassten Faktoren Wasser- und Gefahrstoffmanagement konzentrieren (Abbildung).