Könnte die durch den Nahostkonflikt bedingte gestiegene Unsicherheit zu einem hohen Ertragspotenzial führen?
Schwellenländeraktien (EM-Aktien) sind seit Beginn des Irankriegs hart getroffen worden, da sich die Anleger Sorgen über die Folgen des Konflikts machen. Die Historie zeigt jedoch, dass Phasen erhöhter Marktbelastungen – in denen die Volatilität hoch ist und Unsicherheiten noch in die Kurse eingepreist werden – in der Vergangenheit günstige Einstiegsmöglichkeiten für Anleger in Schwellenländern geschaffen haben.
Die Aktienmärkte reagierten nervös, als die Angriffe der USA und Israels auf den Iran im März zu einem regionalen Krieg eskalierten. Der Iran sperrte die Straße von Hormus, durch die etwa ein Fünftel des weltweiten Öls transportiert wird, was Befürchtungen vor einem anhaltenden Energieschock schürte. Die Sorge, dass höhere Ölpreise die Inflation anheizen, das Wachstum dämpfen und die Gewinne untergraben könnten, drückte die globalen Aktienkurse nach unten. Der MSCI Emerging Markets Index fiel im März um 11 % in US-Dollar, nachdem er 2025 und in den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 eine starke Entwicklung verzeichnet hatte.
Ölpreisschock erschüttert asiatische Volkswirtschaften
Die Auswirkungen waren in Teilen Asiens am deutlichsten zu spüren. Indien, Thailand und die Philippinen – die stark von Öltransporten durch die Meerenge abhängig sind – haben Maßnahmen ergriffen, um die Folgen der höheren Preise abzufedern. Während einige rohstoffreiche Schwellenländer wie Brasilien möglicherweise besser vor dem Ölschock geschützt sind, befürchten Anleger, dass Unternehmen aus Schwellenländern generell anfällig für die Auswirkungen höherer Energiekosten auf Wachstum und Rentabilität sind.
Diese Unsicherheiten tragen auch dazu bei, den allgemeinen Anstieg der Marktvolatilität zu erklären. Der VIX-Index für die Volatilität des US-Aktienmarktes, auch bekannt als „Angstbarometer der Wall Street“, ist gestiegen, da Anleger mit einer zunehmenden Bandbreite an geopolitischen und makroökonomischen Entwicklungen zu kämpfen haben. Um zu verstehen, was dies in der Vergangenheit für Anleger in Schwellenländern bedeutet hat, haben wir die Börsenerträge nach unterschiedlichen VIX-Standwerten zum Monatsende seit 2001 untersucht.
VIX und EM-Aktien: Ein überraschendes Erholungssignal
Extreme Volatilitätsspitzen sind selten. In den vergangenen 24 Jahren lag der VIX zum Monatsende nur neun Mal über 40. Diese Phasen fielen jedoch tendenziell mit ungewöhnlich starken Folgeerträgen für EM-Aktien zusammen. Wenn der VIX einen Monat über 40 schloss, legten Schwellenländeraktien in den folgenden 12 Monaten im Durchschnitt um mehr als 60 % zu und lagen damit deutlich vor ihren Pendants aus den Industrieländern (Abbildung).