Das stark wiederauflebende Interesse an Schwellenmärkten folgt der KI-Lieferkette. Infolgedessen ist die Marktführerschaft bei Schwellenmarktaktien stark konzentriert, wobei die 10 größten Unternehmen etwa 40 % des MSCI Emerging Markets Index ausmachen. Das erhöht zwar das Konzentrationsrisiko, insbesondere für passive Anleger, doch sind Anlagen in Schwellenmärkten nicht mehr von einem einzigen Wachstumstreiber abhängig. Ihr Diversifizierungspotenzial umfasst eine Vielzahl von Wachstumschancen, darunter die industrielle Modernisierung in Asien und Unternehmensführungs-Reformen in Südkorea, sowie Finanzinstitute, die von einer tieferen Kreditdurchdringung und sich verbessernden Kapitalrenditen profitieren. Wir beobachten zudem vereinzelte Bereiche mit widerstandsfähigem Binnenkonsum in einer Reihe von Schwellenmärkten.
Viele Anleger gehen davon aus, dass sie bereits über US-Technologiepositionen ein ausreichendes Engagement in den weltweit am schnellsten wachsenden Innovationsthemen haben. Die wesentlichen Profiteure der KI-Einführung und von Infrastrukturausgaben finden sich jedoch zunehmend in den EM; dies erstreckt sich auf die Halbleiterfertigung, Speichertechnologie, Industrieautomation und digitale Plattformen. In vielerlei Hinsicht ähneln die dominierenden Unternehmen in den EM heute kaum noch den Firmen, die diese Anlageklasse vor zwei Jahrzehnten prägten.
Unterdessen übertreffen die Prognosen zum Gewinnwachstum in den EM weiterhin die der DM bei einer deutlich niedrigeren Bewertungsbasis. Unserer Ansicht nach ist es eine Verdoppelung des Risikos, ein Engagement in Schwellenländern zu meiden, nur weil ein Portfolio bereits US-Technologie enthält. Stattdessen sollten Anleger danach streben, Qualitätsaktien aus Schwellenländern mit attraktiven Bewertungen zu identifizieren, die von starken operativen Trends profitieren. Wir sind der Auffassung, dass zahlreiche Unternehmen aus Schwellenländern über verschiedene Sektoren hinweg diese Kriterien erfüllen und auch dazu beitragen, das Engagement in Industrieländern zu diversifizieren.
Risiken bleiben bestehen: Geopolitik, Inflation und der US-Dollar
Damit sind die Schwellenländer keineswegs krisenfest. Wir behalten insbesondere drei Risiken im Blick: wiederauflebende geopolitische Spannungen, begleitet von anhaltend hohen Ölpreisen (auch wenn einige Exporteure aus Schwellenländern davon profitieren würden); einen Inflationsschock, der die US Federal Reserve und andere Zentralbanken zu erneuten Zinserhöhungen zwingt; sowie einen deutlich stärkeren US-Dollar.
Der US-Dollar bleibt die mit Abstand wichtigste externe Variable für EM-Anlagen, insbesondere bei Lokalwährungsanleihen – ein schwächerer Dollar bedeutet Rückenwind, ein stärkerer hingegen Gegenwind. Unser Basisszenario geht davon aus, dass der Dollar weitgehend in seiner Handelsspanne verharrt. Das Risiko ist nicht verschwunden, aber wir gehen davon aus, dass sich die Risikozusammensetzung verändert hat, während Preise und Positionierungen nur langsam nachgezogen haben.
Zeit, EM-Allokationen zu überdenken
Niedrige historische Allokationen in EM-Anlagen könnten das zukünftige Ertragspotenzial stützen. Sollten beispielsweise EM-Aktien wieder ihren 20-jährigen Anteil am globalen Vermögen erreichen, würde dies rechnerisch Zuflüsse von fast einer Billion US-Dollar in eine Anlageklasse bedeuten, in der sich Kapitalflüsse und Wertentwicklung historisch gegenseitig verstärkt haben. Von Anlegern wird erwartet, dass sie sich verbessernde Fundamentaldaten zu Spreads kaufen, die diese Verbesserungen bereits widerspiegeln. Daher sind nach unserer Auffassung die Wertpapierauswahl – sowie die Entscheidung zwischen Hart- und Lokalwährungen – wichtiger als eine einzelne Einschätzung zur Marktrichtung.
Für Anleger stellt sich die Frage, ob das heutige EM-Engagement eine bewusste Entscheidung widerspiegelt oder das akkumulierte Erbe von Entscheidungen aus einer anderen Ära darstellt. Wir gehen davon aus, dass viele Anleger weiterhin auf die Schwellenländer der Vergangenheit positioniert sind – dabei ist das heutige Chancenuniversum zunehmend an den globalen Wachstumsquellen der Zukunft ausgerichtet. Unserer Ansicht nach geht es bei der Überprüfung von EM-Allokationen weniger um das Eingehen zusätzlicher Risiken, als vielmehr um die Korrektur einer zunehmend überholten Portfolioannahme.